Seitenbereiche:
  • zum Inhalt [Alt+0]
  • zum Hauptmenü [Alt+1]

Hauptmenü schließen
  • Aktuelles
    • Weltkirche
      • Papst Leo XIV.
      • Papst Franziskus I.
    • Kirche in Österreich
    • Erzdiözese
      • 80 Jahre Rupertusblatt
        • Boten der Hoffnung
    • Forum Neues Leben
    • gott sei dank Magazin
  • Themen
    • Glaube & Kirche
      • Engelbert Kolland
      • Fastenserie
      • Mein Sonntag
      • Spirituelles
      • Serien
    • Menschen & Gesellschaft
      • Generationen: Familie, Kinder, Senioren
      • Gesellschaft & Soziales
      • Porträt
    • Kultur & Leben
      • Bildung
      • Kultur
      • Reisen & Pilgern
      • Gesundheit
      • Geschichte
  • Mein Sonntag
  • Mein Rupertusblatt
    • Leserservice
    • Vorteilsclub
  • AGBs
  • E-Paper
  • Abo
Wochenzeitung der Erzdiözese Salzburg
Topmenü:
  • E-Paper
  • Abo
Login
Suchen
hoher Kontrast
Hauptmenü:
  • Aktuelles
    • Weltkirche
      • Papst Leo XIV.
      • Papst Franziskus I.
    • Kirche in Österreich
    • Erzdiözese
      • 80 Jahre Rupertusblatt
        • Boten der Hoffnung
    • Forum Neues Leben
    • gott sei dank Magazin
  • Themen
    • Glaube & Kirche
      • Engelbert Kolland
      • Fastenserie
      • Mein Sonntag
      • Spirituelles
      • Serien
    • Menschen & Gesellschaft
      • Generationen: Familie, Kinder, Senioren
      • Gesellschaft & Soziales
      • Porträt
    • Kultur & Leben
      • Bildung
      • Kultur
      • Reisen & Pilgern
      • Gesundheit
      • Geschichte
  • Mein Sonntag
  • Mein Rupertusblatt
    • Leserservice
    • Vorteilsclub
  • AGBs
Hauptmenü anzeigen
Inhalt:

„Glaube ist Identitätsbildung“

Kapuziner und Theologe Stefan Walser sieht in Franz von Assisi einen Menschen, der durch Krisen, Zweifel und Brüche gereift ist. Und deshalb heute Vorbild sein kann.

34 ganze Ausgabe als ePaper lesen
Elisabeth Klaushofer

Bruder Stefan Walser studierte in Münster Theologie – unweit seiner damaligen Studenten-WG fand er in einem Kapuzinerkloster einen Ort des Gebetes und des Austausches. Nach dem Studium trat er 2006 in den Kapuzinerorden ein und wirkte mitunter auch in Salzburg. Innerhalb seines Ordens begleitet er unter anderem junge Menschen, die – wie er einst – den Wunsch in sich tragen, Kapuziner zu werden. Als Professor für Fundamentaltheologie hielt er im Rahmen der Salzburger Hochschulwochen 2026 den zweiteiligen Vortrag „Coming of Age. Identitätssuche bei Franz von Assisi“.

 

RB: Lieber Herr Walser, an Sie als Kapuziner und Theologe: Wer ist Franziskus für Sie?

Stefan Walser: Franziskus ist 800 Jahre tot und trotzdem habe ich das Gefühl, er ist mir näher vielleicht als manche Mitbürger der heutigen Zeit, weil er eine Bewegung ins Leben gerufen hat, die unglaublich groß ist. Er war ein Typ, der nicht einfach nachgemacht hat, was alle machen, sondern der sich neu überlegt hat, was hat eigentlich Jesus gemacht. Er hat neue Wege begangen, auch in der Kirche. Er war nicht angepasst, sondern er hat authentisch einfach sein Ding gemacht und das ist vorbildhaft.

Es gibt nicht die eine Wahrheit über Franziskus.

RB: Es gibt viele, teils verklärende Erzählungen über Franziskus. Wie passt das mit den historischen Quellen aus Ihrer Sicht als Wissenschaftler zusammen?

Walser: Also Franziskus war eine sehr charismatische Person und deswegen gibt es unzählige Erzählungen. Es gibt nicht die eine Wahrheit über Franziskus, sondern viele Blickwinkel auf ihn. Und das habe ich auch in meinen Vorträgen versucht, deutlich zu machen.

 

Da gibt es aus dem 19. Jahrhundert den romantischen Waldmenschen, der die Natur liebt. Es gibt den postkapitalistischen Franziskus, der aussteigt. Es gibt den Franziskus, der – überspitzt formuliert – den interreligiösen Dialog erfunden hat, weil er dem Sultan von Ägypten in der Zeit der Kreuzzüge begegnet ist. Es gibt zum Beispiel bei der Franziskus-Oper, die derzeit in Salzburg aufgeführt wird, einen Leidens-Franziskus, der ganz mit Christus verbunden ist.

 

Es konkurriert alles miteinander und das schafft auch paradoxe Spannungen, wo das eine nicht mit dem anderen zusammenpasst. Und das war auch einer der wichtigsten Punkte in meinen Vorträgen, nicht zu wissen, was ist denn jetzt die eine Wahrheit? Das ist wissenschaftlich, aber auch im Leben oder auch in der Politik ein Mehrwert.

 

RB: Inwiefern?

Walser: Manche Leute würden Identität gerne festschreiben. Die Realität zeigt aber, dass es verschiedene Identitäten gibt. Für mich persönlich ist Franziskus ein sehr spiritueller Mensch, der Gott sucht und weiß, dass man ihn nicht schnell findet. Und der aber in dieser Gottsuche immer offengeblieben ist und gemerkt hat, das geht nur in Begegnungen.

 

Das ist für mich sehr inspirierend zu sagen, meine Gottsuche, mein religiöser Weg findet nicht in einem abgeschlossenen Zimmer, sondern im Leben statt, durch die Erfahrungen, die ich mache, durch die Begegnungen.

Franziskus in der Identitätskrise: „Franziskus hat fünf Jahre seines Lebens nicht gewusst, was er macht.“

RB: Titel Ihres Vortrags bei der Salzburger Hochschulwoche lautete „Coming of Age“. Warum?

Walser: Coming-of-Age beinhaltet Pubertät und Identitätsfindung. Ich habe versucht zu zeigen, dass man gerade an der Biografie von Franziskus merkt, wie er nicht einfach fertig ist, sondern hier echt durch Krisen hindurch geht.

 

Er hat fünf Jahre seines Lebens nicht gewusst, was er macht. Rückblickend sehen wir ihn als Heiligen. Aber in seinen 20er-Jahren hat er keinen Plan gehabt. Er wusste nur, er will nicht dasselbe wie sein Vater machen. Und durch diese Identitätskrisen hindurch, durch das krasse Ringen ist er zu dem geworden, was er ist.

 

Meine Erfahrung in der Arbeit mit jungen Leuten ist genau das. Wenn ich mit ihnen nach Assisi fahre, dann wollen sie nicht in der Grabeskirche sehen, wie Franziskus in den Himmel auffährt. Nein, sie können dort andocken, wenn es etwa um den Streit mit seinem Vater geht, oder um seinen Bruder, der sich völlig entfremdet hat. Franziskus wusste auch nicht, was für einen Beruf er eigentlich machen soll. Also Themen, die junge Leute beschäftigt. Insofern ist es faszinierend, mit so einer Biografie zu arbeiten, die nicht aus einem Guss, sondern total zerbrechlich ist.

Identität als säkulares Wort für Berufung.

RB: Welche Rolle kann der christliche Glaube bei der Suche nach der eigenen Identität spielen?

Walser: Meine These im Vortrag war ein bisschen zugespitzt, dass das ganze Thema Identität ein säkulares Wort ist für das, was wir in der Kirche immer unter Berufung verstanden haben. Menschen suchen ihren Weg. Deshalb hat Franziskus in seinem ersten Gebet gebetet, dass Gott ihm seinen Auftrag zeigt, also seine Berufung.

 

Insofern ist das identisch nur jeweils anders ausgedrückt, also theologisch, weltlich oder psychologisch. Der springende Punkt aber ist, dass gerade der christliche Glaube Menschen enorm helfen kann, Identität zu bilden. Wie bildet man Identität? Indem man über sich nachdenkt.

 

Das macht man im Glauben, durch Stille, durch Gebet. Und durch Erzählung. Indem ich jemandem erzählen kann, wie geht es mir gerade? Was habe ich erlebt? Und genau das mache ich auch im Gebet.

 

Und was im Glauben ganz wichtig ist das Gespräch mit einer Seelsorgerin oder einem Seelsorger, die Beichte, geistliche Begleitung oder Exerzitien. Glaube ist eigentlich Identitätsbildung.

 

Selbstverwirklichung ist genau das, was Gott von uns will.

RB: Ein modernes Wort wäre etwa Selbstverwirklichung – steht das im Kontrast zu Berufung und einer christlichen Identitätsbildung?

Walser: Ich würde sagen, Selbstverwirklichung ist genau das, was Gott von uns will. Selbstverwirklichung heißt nicht Egoismus. Wenn ich mich selbst verwirkliche als Hochschullehrer, heißt das ja nicht unbedingt, dass ich es für mich mache, sondern dass ich Leuten etwas weitergeben will.

 

Was will ein Mensch mehr, als dass sein Leben sich entfaltet? Nur weil es Fehlformen gibt, ist die Selbstverwirklichung nicht an sich schlecht.

 

Von daher würde ich sagen, Selbstverwirklichung ist genau das, was Berufungsfindung ist. Mein Selbst zu finden, ist ja die größte Aufgabe, die ich im Leben von Gott haben kann. Und das hat Franziskus in gewisser Weise auch gemacht. Franziskus hat einen Weg gefunden, den vor ihm niemand vorgespurt hat, außer das Evangelium, außer Christus.

 

RB: Viele Menschen erleben ihr Leben heute als immer hektischer und schneller. Ist unsere Identitätsbildung dadurch gefährdet?

Walser: Wir leben ja nicht in einer schnelllebigen Zeit, wir machen uns eine schnelllebige Zeit. Also manches ist vorgegeben. Klar, da kommt man nicht raus. Aber manches entscheide ich dann auch irgendwie selbst. Was ich mir im Urlaub alles antue. Oder wie viel ich digital halt unterwegs bin.

 

RB: Stichwort Digitalität - wo sehen Sie hier Gefahren für das Bilden einer eigenen Identität?

Walser: Eine der krassen Herausforderungen der Gegenwart ist, dass viele Entwicklungen, wie KI, aber auch Algorithmen, identitätstheoretisch sehr stark auf Polarisierung setzen. Die sagen pro-contra, schwarz-weiß, richtig-falsch, alt-neu. Das ist eigentlich die größte Gefahr in der Identität.

Keine Glaubensreife ohne Glaubenszweifel

RB: Sie beschreiben Franziskus als Suchenden. Hat diese Suche irgendwann ein Ende gefunden?

Walser: Wenn man die Quellen liest, merkt man, dass seine Suche ein Leben lang weitergegangen ist. Also als der Orden auf einmal groß geworden ist und er plötzlich für 5000 Brüder verantwortlich war, hat er sich wieder gefragt: „Was passiert mir in meinem Leben? Wie erfinde ich mich neu?“

 

Man fängt immer an, sich komplett infrage zu stellen, etwa wenn die Kinder aus dem Haus sind oder wenn der Beruf nach 20 Jahren keinen Spaß mehr macht. Und insofern sind auch Glaubenszweifel Motor für Entwicklung. Es gibt keine Glaubensreifung ohne Glaubenszweifel.

 

Gerade auch das Alter ist zum Beispiel eine enorme Herausforderung für den Glauben. Aber man spricht ganz wenig über Glaubensverlust im Alter. Dass jemand, der sein Leben lang an Gott geglaubt hat, aber in krassen Schmerzen auf der Palliativstation liegend mit Gott hadern kann.

 

RB: Was kann Franziskus in so einer Situation mitgeben?

Walser: Franziskus hat den Sonnengesang geschrieben in der Phase von innerer Depression und vor allen Dingen von äußeren Schmerzen. Das war kurz vor seinem Tod. Er hat in einer tiefen Dunkelheit aus irgendwelchen Gründen sich an diesen Gott erinnert und den Sonnengesang geschrieben.

 

Das Zweite, was mir einfällt, ist, dass Franziskus letzte Worte waren: „Brüder lasst uns anfangen.“ Das ist für die nachkommende Generation enorm toll, wenn ein älterer Mensch sagt: „Ich bin nicht fertig“ oder „Ihr könnt es anders machen:“

Es geht nicht um Besitz von Identität. Es geht darum, sich verschenken zu können.

RB: Nicht jeder konnte bei Ihrem Vortrag dabei sein – Wenn Sie uns nur einen Gedanken aus Ihrer Leserschaft mitgeben könnten, welcher wäre das?

Walser: Ich glaube, das Wichtigste ist, dass wir nicht von Identität im Singular sprechen, sondern von Identitäten. Also auch ich bin nicht der, der ich mit 20 Jahren war.

 

Auch in der Katholischen Kirche gibt es verschiedene Identitäten. Also der Salzburger Katholizismus ist anders als der rheinische, den ich in Köln erlebe. Und das ist eine Bereicherung.

 

Und ein Punkt der für mich das Identitätsthema und das franziskanische Thema voll zusammen: Besitz ist nicht das, worauf es ankommt. Das war diese Armutsfrage bei Franziskus und das würde ich auch bei Identität sagen.

 

Es geht nicht um Besitz von Identität. Besitz ist nicht das, worauf es ankommt. Es geht darum, sich verschenken zu können und sich empfangen zu können. Ich habe nicht mein Leben, sondern ich empfange es von Gott geschenkt. Und das gebe ich weiter.
 


 

Bruder Stefan Walser studierte in Münster Theologie – während seines Studiums fand er im Kapuzinerkloster einen Ort des Gebets und des Austauschs. 2006 trat er in den Orden ein und begleitet heute junge Menschen, die den Gedanken in sich tragen, Kapuziner zu werden. Als Professor für Fundamentaltheologie referierte er bei der Salzburger Hochschulwoche 2026 zu „Coming of Age. Identitätssuche bei Franziskus“.

 


 

Das ganze Interview auf YouTube

Zustimmung erforderlich!Bitte akzeptieren Sie Cookies von Youtube und laden Sie die Seite neu, um diesen Inhalt sehen zu können.

Aktuelles E-Paper

Ausgabe 34/35 | 2026


nach oben springen

WOCHENZEITUNG DER ERZDIÖZESE SALZBURG

Kapitelplatz 6/3

5020 Salzburg

 

Telefon: 0662/8047-2030

FAX: 0662/8047-52030

E-Mail: rupertusblatt@eds.at

Meldungen veröffentlichen! Zur Anmeldung
Jetzt abonnieren! Alle Artikel im Ressort
  • facebook
  • YouTube
  • instagram
  • LinkedIn
  • E-Paper
  • Abo
  • Kontakt
  • Werbung
  • Impressum
  • AGBs
  • Datenschutz
  • Barrierefreiheitserklärung ↗
Katholische Kirche - Erzdiözese Salzburg
nach oben springen