Heimat ist ein kleines Stück Welt, das von Liebe durchweht ist“, zitiert Diözesankonseravtor Roland Kerschbaum den früheren Bischof Reinhold Stecher. Heimat sei ein Ort, an dem der Mensch verstanden werde – und damit auch ein Ort der Geborgenheit. Gerade deshalb könne das Rupertifest eine wichtige heimatstiftende Funktion haben. In einer Zeit, in der sich vieles rasant verändert und Technik, Wirtschaft, Medien und künstliche Intelligenz traditionsneutral agieren, brauche es Verwurzelung. „Nach Odo Marquard braucht Zukunft Herkunft“, sagt Kerschbaum. Bräuche, Rituale und Feste geben dem Leben einen Rhythmus und schaffen Vertrautheit. Doch Heimat hat für Kerschbaum auch ihre Schattenseiten. Aus Heimatkultur könne schnell Heimatkult werden, verbunden mit Überheblichkeit und Abgrenzung. Ebenso drohe eine sentimentale Verklärung: Aus Salzburg könne dann leicht „Schmalzburg“ oder gar eine Art „Disneyland“ werden. Heimat müsse deshalb echt bleiben – und offen für andere.
So wie uns die schönen Berge umgeben, braucht es auch das Bergende der Seele.
Zum Rupertifest gehören Tracht, Musik, Kirtag und Geselligkeit. Sie sind für Kerschbaum ein wichtiger „Rahmen“. Doch jeder Rahmen brauche ein Bild. „Niemand hängt sich einen leeren Bilderrahmen auf“, sagt er. Musik, Bräuche und Rituale könnten ein Fest veredeln – aber sie dürften nicht zum Selbstzweck werden. Entscheidend sei die Frage: Was und wen feiern wir eigentlich? Beim Rupertifest ist die Antwort der heilige Rupertus, die Gründerfigur Salzburgs. Er steht für die christlichen Wurzeln des Landes und kann zugleich als Wegweiser verstanden werden. Bemerkenswert findet der Konservator, dass der Rupertitag am 24. September gefeiert
wird – genau neun Monate vor dem 24. Juni, dem Fest Johannes des Täufers, des Wegbereiters des Herrn. Ob Bischof Virgil dieses Datum bewusst gewählt hat, sei offen. Der Gedanke aber sei reizvoll: Auch Rupertus war ein Wegbereiter des christlichen Glaubens in Salzburg.
Eine ähnliche Aufgabe sieht Kerschbaum in den Kirchen. Sie seien „Wegweiser, Feierräume und Vorzimmer für eine andere Welt“. In ihnen müsse der Mensch einmal nichts leisten. Er dürfe einfach da sein, schauen, hören, atmen und offen sein. Kirchen seien „Denkmäler des Dankes“, weil sie daran erinnerten: Vieles ist Geschenk. Das gelte ebenso für Feste. Sie unterbrechen den Alltag und schaffen einen zweckfreien Raum, der dennoch einen tiefen Sinn besitzt. So kann Ruperti beides sein: ein Fest der Salzburger Identität und ein Fest, das über sich selbst hinausweist auf Gott.
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