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„God gib Gnad, Freid und Stat“

Schritt für Schritt neue Kraft entdecken 25 Frauen der Katholischen Frauenbewegung aus dem Dekanat Zell am Ziller sowie aus Schwoich und Wörgl tauschten den Alltag gegen Wanderschuhe und machten sich auf den Weg nach Alpbach.

Tania Zawadil, kfb Regionalstelle Wörgl
tania.zawadil@eds.at

Auf der Steinweg- und Mühlbachrunde erlebten sie Gemeinschaft, spirituelle Impulse und die Schönheit der Schöpfung – eine Pilgerinnenwanderung, die Körper, Geist und Seele gleichermaßen erquickte.

 

Ausgangspunkt der Fußwallfahrt war die barocke Pfarrkirche, die dem heiligen Oswald geweiht ist. Von dort führte die Wanderung über die Steinwegrunde und den Mühlbachweg durch die liebliche Landschaft Alpbachs.

Gebete, spirituelle Impulse und Zeiten der Stille luden dazu ein, den Alltag einmal hinter sich zu lassen und die Schönheit der Schöpfung bewusst zu erleben. Alpbach liegt übrigens am Ende des Alpbachtales, eingebettet in die Kitzbüheler Alpen am Fuße der Gratlspitze, die sich nördlich an den Schatzberg anschließt.

 

Das pittoreske Dorf zählt rund 200 Bauernhöfe, darunter mehr als 20 Erbhöfe, die seit mindestens 200 Jahren ohne Unterbrechung von derselben Familie bewirtschaftet werden müssen. Den Titel „Erbhof“ verleiht das Land Tirol alljährlich am Hohen Frauentag. Auch das kristallklare Wasser, für das Alpbach als „Kristallgemeinde Österreichs“ bekannt ist, wurde für viele Frauen zu einem Sinnbild für Leben und Segen. Das Wald-Kneippbecken mit Mühlrad schenkte den Pilgerinnenfüßen eine wohltuende Erfrischung. Gerade in Zeiten großer Hitze und zunehmender Trockenheit erhielt das Element Wasser eine noch tiefere Bedeutung: als Quelle des Lebens und als kostbares Geschenk der Schöpfung, das unsere Achtsamkeit und unseren Schutz verdient.

Unterwegs griff Regionalleiterin Angelika Schellhorn, Leiterin der kfb-Region Zillertal mit Bruck, Gedanken der Journalistin Franziska Lipp auf. In ihrem Text „Jeder Schritt ein Schritt zu mir“ beschreibt sie, wie Gehen weit mehr ist als Fortbewegung: Gedanken werden freier, Emotionen intensiver und schwere Fragen leichter. Sie erinnert dabei auch an den Zillertaler Extrembergsteiger Peter Habeler, der einmal sagte, dass man vom Berg als anderer Mensch zurückkommt. „Beim Pilgern geht es nicht darum, möglichst viele Kilometer zu schaffen. Jeder Schritt ist auch ein Schritt zu sich selbst.

In der Gemeinschaft, im Gebet und in der Stille dürfen wir erfahren, dass Gott mit uns unterwegs ist und uns neue Kraft schenkt“, sagte Angelika Schellhorn. Gerade diese gelebte Verbindung von Glaube und bäuerlicher Tradition beeindruckte auch Tania Zawadil von der kfb-Regionalstelle Wörgl. Auf einem alten, leicht verwitterten Holzbalken eines Bauernhofes entdeckte sie den schlichten Spruch: „God gib Gnad, Freid und Stat.“ „Ich musste stehen bleiben und den Satz mehrmals lesen. Diese wenigen Worte erzählen von einer tiefen Lebensweisheit. Sie drücken aus, was Menschen sich seit Generationen wünschen: Gottes Gnade, Freude und Ruhe/Frieden. So schlicht und so einfach. Es ist bewundernswert, wie hier in dieser Bergwelt der Glaube ganz selbstverständlich zum Alltag gehört und gleichzeitig Offenheit für Neues gelebt wird. Dieser alte Segensspruch hat mich berührt und wird mich begleiten“, so Tania.

 

Sein unverwechselbares Erscheinungsbild verdankt Alpbach übrigens einer Bauordnung aus dem Jahr 1953. Neubauten müssen sich bis heute dem traditionellen Alpbacher Baustil anpassen: Das Erdgeschoss wird gemauert, die Obergeschosse und Fassaden sind mit Holz verkleidet. Dieses harmonische Ortsbild machte Alpbach weit über Tirol hinaus bekannt. 1983 wurde das Dorf zum „Schönsten Dorf Österreichs“ gewählt. International bekannt ist Alpbach außerdem durch das Europäische Forum Alpbach, das jedes Jahr Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft und jungen Denkerinnen und Denker zum Austausch über die brennenden Zukunftsfragen Europas zusammenführt. Den stimmungsvollen Abschluss bildete eine kleine, feine Frauenliturgie in der Pfarrkirche St. Oswald. In einer kurzen Ansprache, in Liedern, im Vaterunser und einem Segen wurden die Eindrücke des Tages vor Gott getragen. Erfüllt und gestärkt machten sich die Frauen schließlich auf den Heimweg. Sie nahmen nicht nur schöne Erinnerungen an die beeindruckende Bergwelt Alpbachs mit, sondern auch die Erfahrung, dass gemeinsames Pilgern den Blick verändert. Oder, wie es Peter Habeler so treffend ausdrückt: „Man kommt vom Berg als anderer Mensch zurück.“

 

Für die Frauen der Katholischen Frauenbewegung war dieser Tag genau das – eine Begegnung mit der Schöpfung, mit anderen Frauen, mit sich selbst und mit Gott. Einhelliger Tenor: Alpbach wir kommen wieder und Dankeschön an Angelika für die Organisation!

 

 

 

Bild 1 © Tania Zawadil – kfb-Regionalleiterin der Region Zillertal mit Bruck Angelika Schellhorn (li), Tania Zawadil kfb Regionalstelle Wörgl.


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