Es ist Mittwoch, der 7. Oktober, Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz. Wie jede Woche treffen sich um 15 Uhr Menschen in der Salzburger Dombuchhandlung. Sie nehmen am großen Holztisch Platz, umgeben von Büchern, den Rosenkranz in der Hand. Wer keinen dabeihat, kann sich einen ausleihen.
„Manchmal sitzen wir zu zweit dort, manchmal zu zehnt – dann ist kein Sessel mehr frei“, erzählt Veronika Borbath Vanko. „Jeder ist willkommen, unabhängig von Alter, Sprache oder Familienstand. Egal, ob jemand drei Rosenkränze am Tag betet oder noch nie einen gebetet hat.“
Die Idee zum „Rosary Club“ (dt. Rosenkranzklub) entstand beim Pfingstkongress 2024. Die ersten Treffen fanden in der Kapelle der HOME Base statt. Dann stellte die HOME Church der Gruppe einen Raum in der Dombuchhandlung zur Verfügung. Seither wird dort jeden Mittwoch gemeinsam gebetet. Zu Beginn nennt jeder, der möchte, ein persönliches Anliegen. Dazu
kommen Bitten, die Kundinnen und Kunden in der Buchhandlung hinterlassen haben. Wer mag, kann anschließend ein Gesätzchen übernehmen und vorbeten.
Der Raum ist durch Glas vom Geschäft getrennt, die Türen bleiben jedoch offen. So können Kundinnen und Kunden das Gebet hören. Diese Offenheit gefällt Josef Mayr, einem der Gründer des „Rosary Club“: „Wir können das Gebet so auch nach außen tragen.“ Für Katharina von Stryk, regelmäßige Mitbeterin, ist das gemeinsame Beten an diesem Ort „eine Form der Evangelisierung, ohne aufdringlich zu sein“.
Besonders wichtig sind ihr die persönlichen Bitten, die zu Beginn ausgesprochen werden. „Wenn wir unsere persönlichen Anliegen teilen, machen wir uns verletzlich. Da ist auch schon die eine oder andere Träne gekullert. Dieses gemeinsame Teilen verbindet sehr. Wir tragen einander danach im Herzen weiter.“ Mit dem letzten Gesätzchen ist das Treffen aber noch nicht vorbei. Danach gibt es ein kostenloses Heißgetränk von der Dombuchhandlung – und Zeit für Gespräche. Borbath Vanko ist fast von Anfang an dabei. Sie nimmt dafür auch gerne einen längeren Weg in die Altstadt auf sich: „Manchmal fragt man sich schon: zwei Stunden Aufwand für einen Rosenkranz, den man auch allein in 20 Minuten beten könnte. Aber die Menschen machen es aus.“ Das Gebet zieht Kreise: Aus dem „Rosary Club“ ist inzwischen auch eine private portugiesischsprachige Gebetsgruppe entstanden.
Für den jungen Priester Lorenz Goppert ist der Rosenkranz „zugleich Bitte, Meditation und Betrachtung“. Maria verweise dabei nicht auf siich selbst, sondern auf ihren Sohn. Goppert erinnert an ihre Worte bei der Hochzeit zu Kana: „Was er euch sagt, das tut!“ (Joh 2,5).
Durch die Augen Mariens betrachten die Betenden die Stationen im Leben Jesu und lernen von ihr, Gott zu vertrauen. Wahre Marienfrömmigkeit führe deshalb immer zu Christus. Die freudenreichen, lichtreichen, schmerzhaften und glorreichen Geheimnisse führen durch das Leben Jesu. Darin spiegeln sich auch menschliche Erfahrungen: Freude, Angst, Leid und Hoffnung. So könne der Rosenkranz helfen, das eigene Leben am Evangelium auszurichten. Die Wiederholung des Ave Maria soll dazu beitragen, innerlich still zu werden und das Herz zu öffnen. Dass die Gedanken dabei abschweifen, sei normal. „Es geht nicht darum, dass wir immer und überall ‚perfekt‘ beten, sondern dem Herrn immer wieder neu unsere Aufmerksamkeit und unsere Zeit zu schenken“, sagt Goppert. Er lernte den Rosenkranz als Jugendlicher an einem Marienwallfahrtsort kennen. Dort erlebte er junge Menschen, die ihn mit Freude und Ehrfurcht beteten. Für Goppert ist dieses Gebet bis heute „wie eine Leiter in den Himmel: Perle für Perle dem Geheimnis Jesu näher“. Es löse nicht automatisch alle Probleme, könne aber helfen, Gott die eigenen Sorgen und Entscheidungen anzuvertrauen.
Ursula Reiter war etwa acht Jahre alt, als ihre Mutter ihr bei einer gemeinsamen Autofahrt den Rosenkranz beibrachte. Heute ist sie selbst vierfache Mutter und Religionslehrerin. „Für mich ist das Rosenkranzgebet eine Möglichkeit, an der Hand der Mutter Gottes das Leben Jesu zu betrachten und gleichzeitig für persönliche Anliegen zu beten.“ Es mache sie ruhig und gebe ihr Sicherheit. In ihrem Alltag bleibt selten eine halbe Stunde am Stück frei. Deshalb verteilt Reiter die einzelnen Gesätzchen häufig über den Tag.
Jedes Gebet ist wertvoll, es mussnicht vollständig oder perfekt sein.
Sie betet im Auto auf dem Weg zur Arbeit mit einem Fingerrosenkranz, auf dem Rückweg vom Kindergarten, beim Radfahren oder mit einer Freundin auf dem Spielplatz. Mit ihren Kindern ist es manchmal ein Gesätzchen unterwegs oder einige Ave Maria vor dem Schlafengehen. Und wenn es sich an einem Tag gar nicht ausgeht, setzt sie sich nicht unter Druck. Ein kurzer Blick auf ein Marienbild und ein paar persönliche Worte genügen ihr dann. Ein kleiner Rosenkranz steckt in jeder ihrer Taschen.
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