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Gesegnete Kräuter: Was am 15. August in den Buschen kommt

Von der Oma zur Enkelin: Wie eine Bergbäuerin altes Wissen über Heilkräuter bewahrt – und warum ihr Kräuterbuschen mehr ist als ein schöner Brauch.

32 ganze Ausgabe als ePaper lesen
Helene Czifra
Redakteurin

RB: Sie sind Bergbäuerin und beschäftigen sich intensiv mit Heilkräutern – woher kommt diese Leidenschaft?
Iris Zitz: Kräuter gehören für mich einfach zum Leben dazu. Sie wachsen direkt vor unserer Haustür, rund um unseren Hof, auf unseren Wiesen und Almen. Schon als Kind durfte ich meiner Oma, die genauso Bergbäuerin war wie ich heute, dabei zusehen, wie selbstverständlich sie die Heilkraft der Pflanzen nutzte. Noch mehr geprägt hat mich aber meine Mama. Sie hat mir dieses Wissen mit viel Geduld und Liebe weitergegeben und ist bis heute mein größtes Vorbild.

 

Iris Zitz ist Lungauer Bezirksbäuerin (Burggerhof bei Tamsweg auf über 1.300 m Seehöhe).

 

RB: Sie sind Mutter von drei Kindern. Was bedeutet Ihnen dieses Wissen um die Kraft der Pflanzen?
Iris Zitz: Es ist ein wunderschönes Gefühl, im Einklang mit der Natur vorzusorgen und zu wissen, dass man vieles selbst herstellen kann – und dass die Kraft der Pflanzen oft ausreicht, um Beschwerden frühzeitig zu lindern. Im Frühjahr und Sommer sammelt man achtsam Kräuter, Blüten und Wurzeln und bereitet daraus Schätze für die kalte Jahreszeit zu: Hustensirup, Tinkturen, Salben oder Tees.

 

RB: Am 15. August wird traditionell der Kräuterbuschen gesegnet. Wie viele und welche Pflanzen gehören für Sie unbedingt hinein?
Iris Zitz: Von Hof zu Hof gibt es unterschiedliche Zusammensetzungen. Ich binde meinen Kräuterbuschen meistens mit neun Pflanzen, denn die Zahl Neun steht für göttliche Vollendung und die Heilige Dreifaltigkeit. Manchmal werden es auch zwölf – als Symbol für Vollständigkeit.

 

RB: Sechs Kräuter sind bei Ihnen jedes Jahr fix dabei – welche, und was bedeuten sie?
Iris Zitz: Königskerze – die Himmelskerze, Verbindung zwischen Himmel und Erde, Licht und Schutz. Salbei – Schutzpflanze gegen Krankheiten, Symbol für langes Leben und Weisheit. Johanniskraut – steht für Licht und Sonne, Schutz gegen Dunkelheit, Hoffnung und Lebensfreude. Rose – Liebe, Güte, Schönheit, Reinheit. Schafgarbe – Schutz und Heilung, weibliche Kraft, Versöhnung und Zusammenhalt. Himbeerblätter – Fruchtbarkeit, mütterliche Fürsorge, Neubeginn, vor allem ein Segen für Familie und Kinder.

 

Kräuterbuschen

 

RB: Wie entscheiden Sie, welche weiteren Pflanzen noch dazukommen?
Iris Zitz: Ich beobachte, was rund um unseren Hof besonders üppig wächst. Oft werden uns genau jene Pflanzen geschenkt, die wir in diesem Jahr besonders brauchen – etwa Waldminze für Lebenskraft, Quendel für Mut und Vertrauen, Ringelblume für Licht und Hoffnung, Lavendel für innere Ruhe oder Melisse für Harmonie und Trost.

 

RB: Was geschieht mit dem Kräuterbuschen, nachdem er gesegnet wurde?

Iris Zitz: Er wird an einem dunklen, luftigen Ort aufgehängt und getrocknet – nicht zu fest gebunden, denn sonst beginnt er zu schimmeln. An seinem Platz bleibt er bis zum Heiligen Abend. Dann wird er vorsichtig zerkleinert und gemeinsam mit Weihrauch auf heißer Kohle in unserer alten Räucherpfanne verräuchert, die schon seit Generationen zu unserem Hof gehört. Mit dem Rauch gehen wir durch jedes Zimmer unseres Hauses, durch den Stall, über den Hof und zu unseren Tieren. Auch die Menschen, die bei uns leben, sowie unsere Maschinen werden gesegnet. Diesen Brauch pflegen wir auch zu Silvester und am Dreikönigstag – als Bitte um Schutz, Gesundheit und Segen für das kommende Jahr.

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Ausgabe 32_33 | 2026


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