Johannes Lackner, Priester, Theologe, Sportseelsorger und Büroleiter des Salzburger Erzbischofs, beschäftigt sich wissenschaftlich mit Transhumanismus und ethischen Fragen rund um Künstliche Intelligenz. Br. Brian ist Kapuziner, studierter Politikwissenschafter und geistlicher Begleiter. Beide sehen die technologischen Umbrüche nicht nur als technische oder politische Entwicklung. Für sie berühren sie grundlegende Fragen nach Freiheit, Würde, Verantwortung, Hoffnung und Glauben.
Johannes Lackner: Transhumanismus ist eine Denkbewegung, die den Menschen mithilfe von Technologie verbessern oder sogar überwinden möchte. Es geht nicht nur um die Heilung von Krankheiten, sondern um die Optimierung des gesunden Menschen – etwa durch Gentechnik, Mensch-MaschineSchnittstellen oder Künstliche Intelligenz. Manche Vertreter hoffen sogar, das menschliche Bewusstsein eines Tages auf Computer übertragen zu können. Dahinter steht die Sehnsucht, Grenzen wie Krankheit, Alter oder Tod zu überwinden.
Br. Brian: Man kann zwei Bereiche unterscheiden: die Verbesserung des Körpers und die Optimierung des Geistes bis hin zum Gedanken eines „Uploads“ des Bewusstseins. Im Hintergrund steht letztlich Nietzsches Idee: „Der Mensch ist etwas, das überwunden werden muss.“
Br. Brian: Wir dürfen diese Bewegung nicht einfach moralisch verurteilen. Sie macht deutlich, dass der Mensch spürt: So, wie die Welt ist, sollte sie eigentlich nicht sein. Krankheit, Leid und Tod widersprechen einer tiefen Sehnsucht nach Erfüllung. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Versuchen wir, unsere Geschöpflichkeit abzuschaffen, oder lassen wir uns von Gott erlösen?
Johannes Lackner: Genau hier liegt der Unterschied. Auch das Christentum kennt eine Verwandlung des Menschen – aber nicht durch technische Selbstoptimierung, sondern durch die Gnade Gottes. Der Transhumanismus verspricht, mit menschlichen Mitteln etwas zu erreichen, das Christen letztlich von Gott erwarten: die Überwindung von Leid, Begrenzung und Tod.
Johannes Lackner: KI kann vieles simulieren, aber sie kann den Menschen nicht ersetzen. Sie verarbeitet Daten, doch sie besitzt kein eigenes Bewusstsein, keine Freiheit und keine echte Liebe. Wenn eine KI schreibt: „Ich liebe dich“, simuliert sie Liebe – sie empfindet sie nicht. Wir müssen unterscheiden zwischen einer überzeugenden Darstellung menschlicher Fähigkeiten und wirklichem Personsein.
Br. Brian: Viele Menschen suchen in der KI eine objektive Instanz, die auf alle Fragen die richtige Antwort gibt. Dahinter steckt die Sehnsucht nach Wahrheit und Orientierung. Doch KI bleibt von Daten, Algorithmen und den Wertvorstellungen ihrer Entwickler geprägt. Sie kann niemals den ganzen Blick auf die Wirklichkeit besitzen. Deshalb braucht es Menschen, die Ergebnisse prüfen und Verantwortung übernehmen.
Johannes Lackner: Der Mensch ist mehr als seine Leistungsfähigkeit. Seine Würde hängt nicht davon ab, was er kann oder wie produktiv er ist, sondern davon, dass er Mensch ist. Als Christen begründen wir das damit, dass jeder Mensch Ebenbild Gottes ist. Diese Würde darf nicht von Intelligenz, Gesundheit, Alter oder technischer Leistungsfähigkeit abhängig gemacht werden.
Br. Brian: Personsein bedeutet mehr als Denken oder Intelligenz. Der Mensch ist Leib und Seele. Er lebt von Beziehung, Hingabe und Verantwortung. Genau diese personale Dimension kann keine Maschine hervorbringen. Liebe entsteht nicht durch Berechnung, sondern durch freie Selbsthingabe.
Br. Brian ist Kapuziner, studierter Politikwissenschafter und geistlicher Begleiter. Er beschäftigt sich mit gesellschaftlichen und politischen Fragen sowie mit den geistlichen Herausforderungen einer zunehmend technisierten Welt. Im Blick auf Künstliche Intelligenz interessiert ihn besonders, was den Menschen als Person ausmacht. Für ihn sind Beziehung, Verantwortung, Freiheit und die Suche nach Wahrheit zentrale Dimensionen menschlichen Lebens.
Br. Brian: Die Kirche darf Menschenwürde nicht nur behaupten, sondern muss sie leben. Mutter Teresa ist dafür ein Beispiel: Sie hat den Schwächsten Würde zugesprochen, indem sie ihnen konkret begegnet ist. Menschenwürde wird glaubwürdig, wenn Christen sie im Alltag sichtbar machen. Die Antwort auf eine technisierte Welt kann daher nicht nur aus Verboten bestehen, sondern muss in einer Kultur der Beziehung und Nächstenliebe sichtbar werden.
Johannes Lackner: Das gilt für den Schutz des Lebens in allen Phasen – vom ungeborenen Kind bis zum alten oder kranken Menschen. Christen sind aufgerufen, die Würde jedes Menschen nicht nur zu verteidigen, sondern konkret zu leben.
Johannes Lackner: Technik ist grundsätzlich etwas Gutes. Sie kann Leiden lindern, Krankheiten behandeln und das Leben verbessern. Aber sie kann niemals die letzte Hoffnung des Menschen sein. Die endgültige Erfüllung und das ewige Leben erwarten wir von Gott.
Br. Brian: Technik ist eine Gabe Gottes, aber sie darf niemals an die Stelle des Gebers treten. Sobald wir unsere Hoffnung ausschließlich auf technische Möglichkeiten setzen, verlieren wir den Blick für das Wesentliche. Wahre Hoffnung richtet sich auf Gott und schenkt Freiheit im Umgang mit Technik.
Technik ist eine Gabe Gottes, aber sie darf niemals an die Stelle des Gebers treten.
Br. Brian: KI wird die Versuchung verstärken, sich einen Ersatzgott zu schaffen. Gleichzeitig wächst aber auch die Sehnsucht nach echter Wahrheit, Beziehung und Transzendenz. Gerade deshalb sehe ich in dieser Entwicklung eine Chance für eine neue Entdeckung des Menschen und des Glaubens.
Johannes Lackner: Meine Hoffnung ist, dass KI dem Menschen dient und nicht umgekehrt. Entscheidend bleibt, dass die Würde des Menschen auch in einer digitalen Zukunft das Maß aller Entwicklungen bleibt. Wir sollten uns nicht von der Faszination des technisch Machbaren bestimmen lassen, sondern von der Frage, welche Welt wir für den Menschen gestalten wollen.
Am Ende geht es weniger darum, ob KI menschliche Fähigkeiten übertreffen kann. Es geht darum, ob der Mensch sich selbst auf Leistung, Daten und Optimierung reduzieren lässt. Die technische Entwicklung fordert uns heraus, neu über Freiheit, Würde und Verantwortung nachzudenken. Gerade darin liegt auch eine Chance: Der Mensch könnte im Zeitalter der KI neu entdecken, was nicht berechenbar ist – Beziehung, Liebe, Gewissen, Glaube und Hoffnung.

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