E s ist wichtig, persönliche Geschichten weiter zu erzählen, damit sich die Geschichte nicht wiederholt“, erzählt Ilona Kotolácsi-Mikóczy. Die promovierte Juristin ist Präsidentin des Salzburger Ungarischen Vereins SalzUng. Seit vielen Jahren setzt sie sich für eine lebendige Erinnerungskultur ein. „Heuer denken wir in besonderer Weise an den Aufstand der Ungarn gegen das Sowjet-Regime vor 70 Jahren.“
Indem wir Lebensgeschichten hören und versuchen zu verstehen, bauen wir Brücken.
Zu Beginn des Aufstands waren es Studenten, die sich in einem 16-Punkte-Papier gegen das Sowjet-Regime wandten. Schnell wurde daraus ein Volksaufstand, dem sich viele Zivilisten anschlossen. Anfang November wurde dieser von der Roten Armee blutig niedergeschlagen. Viele Menschen flohen. Ende 1956 waren in Österreich mehr als 126.000 ungarische Flüchtlinge registriert. Eine große Herausforderung für ein kleines Land. Dennoch war die Hilfe damals „überwältigend“, so Kotolácsi-Mikóczy. „Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Erinnerung an die eigene russische Besatzung noch sehr schmerzlich und lebendig war.“ Erst ein Jahr zuvor, 1955, hatte Österreich durch den Staatsvertrag seine Unabhängigkeit erlangt. Viele ungarische Flüchtlinge wurden im Bundesland Salzburg einquartiert. Organisationen wie die Caritas Salzburg koordinierten die Versorgung und die darauffolgende soziale Integration.
Die Lager in Wals-Siezenheim und in der Alpenstraße waren für viele jedoch nur eine Zwischenstation. Täglich reisten Hunderte Menschen von dort weiter in die USA, nach Kanada oder Australien. Rund 5.000 Ungarn lebten 1956 im Land Salzburg. Ende 1957 waren es noch 1.747, wenige Jahre später nur mehr einige Hundert. Gerade das gemeinsame religiöse Leben sei für die Menschen in der Fremde besonders wichtig gewesen. Es gab ihnen ein Gefühl von Heimat und Zugehörigkeit. Noch heute gibt es für die ungarische Gemeinde einmal im Monat einen Gottesdienst in ihrer Sprache. Im Rahmen eines Festakts in der Stadt Salzburg kamen Menschen zu Wort, die den Aufstand selbst miterlebt oder geholfen haben, dass Geflüchtete in Österreich eine neue Heimat finden konnten. Kotolácsi-Mikóczy erklärt: „Es ist ein großes Glück, dass Zeitzeugen dieses wichtigen Ereignisses heute noch am Leben sind. Für uns ist es eine große Chance, ihnen zuzuhören und von ihnen zu lernen.“

Die Innenansicht einer Wohnung in der Barackensiedlung Alpenstraße, 1957
Aktuelles E-Paper