Seitenbereiche:
  • zum Inhalt [Alt+0]
  • zum Hauptmenü [Alt+1]

Hauptmenü schließen
  • Aktuelles
    • Erzdiözese
      • 80 Jahre Rupertusblatt
        • Boten der Hoffnung
    • Kirche in Österreich
    • Weltkirche
      • Papst Leo XIV.
      • Papst Franziskus I.
    • gott sei dank Magazin
    • Forum Neues Leben
  • Themen
    • Glaube & Kirche
      • Fastenserie
      • Mein Sonntag
      • Spirituelles
      • Serien
    • Menschen & Gesellschaft
      • Generationen: Familie, Kinder, Senioren
      • Gesellschaft & Soziales
      • Porträt
    • Kultur & Leben
      • Bildung
      • Kultur
      • Reisen & Pilgern
      • Gesundheit
      • Geschichte
  • Mein Sonntag
  • Mein Rupertusblatt
    • Leserservice
    • Vorteilsclub
  • E-Paper
  • Abo
Wochenzeitung der Erzdiözese Salzburg
Topmenü:
  • E-Paper
  • Abo
Login
Suchen
hoher Kontrast
Hauptmenü:
  • Aktuelles
    • Erzdiözese
      • 80 Jahre Rupertusblatt
        • Boten der Hoffnung
    • Kirche in Österreich
    • Weltkirche
      • Papst Leo XIV.
      • Papst Franziskus I.
    • gott sei dank Magazin
    • Forum Neues Leben
  • Themen
    • Glaube & Kirche
      • Fastenserie
      • Mein Sonntag
      • Spirituelles
      • Serien
    • Menschen & Gesellschaft
      • Generationen: Familie, Kinder, Senioren
      • Gesellschaft & Soziales
      • Porträt
    • Kultur & Leben
      • Bildung
      • Kultur
      • Reisen & Pilgern
      • Gesundheit
      • Geschichte
  • Mein Sonntag
  • Mein Rupertusblatt
    • Leserservice
    • Vorteilsclub
Hauptmenü anzeigen
Inhalt:

Widerspruch: ja bitte!

Mit seinem neuen Buch „Streiten verbindet: Was wir vom Stammtisch lernen können“ lädt Andreas Weiß dazu ein, den produktiven Streit als Motor des gesellschaftlichen Zusammenlebens zu verstehen.

45 ganze Ausgabe als ePaper lesen
David Pernkopf

Nicht jeder Streit endet mit einer Einigung. Doch wie gelingt es, andere Meinungen auszuhalten, ohne dass Beziehungen daran zerbrechen? Andreas Weiß spricht im Interview über die Bedeutung von Vertrauen und Selbstkritik, über die Familie als ersten Ort des Streitens und darüber, warum auch die Kirche mehr Raum für offene Auseinandersetzungen braucht.

 

RB: Herr Weiß, worüber können wir streiten? Gibt es für Sie Themen, die dem Streit entzogen sein sollten?

Weiß: Grundsätzlich würde ich sagen: über alles. Streit ist etwas zutiefst Menschliches. Jeder Mensch blickt aus seiner eigenen Perspektive auf die Wirklichkeit und deutet sie auf Grundlage seiner Erfahrungen, seiner Herkunft und seiner Lebensgeschichte. Streit entsteht dort, wo unterschiedliche Sichtweisen aufeinandertreffen und miteinander in Konflikt geraten. Deshalb kann man auch über Gott und die Welt streiten. Zurückhaltender wäre ich bei sehr persönlichen, intimen Erfahrungen. Es gibt Bereiche des Lebens, die so eng mit der eigenen Identität verbunden sind, dass man sie nicht öffentlich diskutieren oder fremden Deutungen aussetzen möchte. Das sind aber Ausnahmen.

 

RB: Damit deuten Sie bereits an, dass Streit etwas Öffentliches ist. Gehört Streit für Sie zur Kultur des gesellschaftlichen Diskurses?

Weiß: Ja, aber nicht nur dort. Streit gehört genauso in die Familie. Die Familie ist oft der erste Ort, an dem Menschen Streitkultur lernen können. Sie bietet einen geschützten Raum, in dem unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen, ohne dass Beziehungen sofort zerbrechen. Am Familientisch wird über Politik, Religion oder den Alltag gesprochen. Das ist nicht immer angenehm. Streit ist keine Harmonieübung. Aber gerade dort lernen Menschen, andere Perspektiven auszuhalten und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Diese Fähigkeit ist für das gesellschaftliche Zusammenleben unverzichtbar.

 

RB: Was zeichnet einen produktiven Streit aus?

Weiß: Ein produktiver Streit entsteht dort, wo Menschen auch die persönliche Ebene ernst nehmen. Emotionen gehören dazu. Enttäuschung, Verletzung oder Missverständnisse sollten ausgesprochen werden dürfen. Ein großes Problem unserer Zeit ist die Streitvermeidung. Viele scheuen den Aufwand einer ernsthaften Auseinandersetzung. Gleichzeitig trauen sich Verletzte oft nicht, ihre Verletzung anzusprechen. Dabei haben auch sie eine Verantwortung: Nur wenn ich sage, dass mich etwas getroffen hat, kann mein Gegenüber darauf reagieren.

 

RB: Welche Eigenschaften braucht ein guter Streiter?

Weiß: An erster Stelle steht für mich die Ambiguitätstoleranz, also die Fähigkeit, andere Meinungen auszuhalten, ohne sie als persönlichen Angriff zu verstehen. Wer diese Fähigkeit nicht entwickelt, reagiert auf Widerspruch oft nur noch mit Angriff, Flucht oder Rückzug. Zweitens braucht es die Fähigkeit zur Selbstkritik. Ich muss einen eigenen Standpunkt haben, aber zugleich bereit sein, diesen kritisch zu hinterfragen. Gruppen oder Bewegungen, die keine Selbstkritik zulassen, neigen häufig zu Fundamentalismus. Und drittens braucht es Selbstbewusstsein: Wer streitet, muss seine Überzeugungen vertreten können, ohne sie sofort absolut zu setzen.

 

RB: Wie entstand die Idee zu Ihrem Buch?

Weiß: Ausgangspunkt war eine Bildungsveranstaltung, bei der wir über moderne Öffentlichkeit gesprochen haben. Dabei wurde deutlich, dass wir Orte brauchen, an denen Menschen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen zusammenkommen und miteinander streiten können. Das Bild des Stammtischs drängte sich auf: Pfarrer, Bürgermeister, Lehrer, Handwerker oder Landwirt sitzen an einem Tisch, diskutieren heftig miteinander und müssen am nächsten Tag trotzdem wieder zusammenarbeiten. Diese Erfahrung gegenseitiger Abhängigkeit geht uns heute oft verloren.

 

RB: Sie sprechen von „Vertrauen im Widerspruch“. Was verstehen Sie darunter?

Weiß: Ich glaube, dass Einigkeit eher die Ausnahme ist. Viel häufiger werden wir uns am Ende eines Gesprächs nicht völlig einigen können. Entscheidend ist deshalb, mit Uneinigkeit umgehen zu lernen. Ich muss die Position des anderen nicht übernehmen. Aber ich kann versuchen, sie besser zu verstehen. Bereits das schafft Vertrauen. Man geht auseinander und weiß: Wir denken unterschiedlich, aber wir erkennen einander weiterhin als Menschen mit Würde an.

 

RB: Ist der Stammtisch für Sie ein Modell für Synodalität?

Weiß: Nicht unmittelbar. Synodalität und Streit sind unterschiedliche Formen des Miteinanders. Synodalität ist stärker methodisch und auf das Hören ausgerichtet. Streit dagegen ist oft spontan, emotional und ungeordnet. Wir brauchen strukturierte Gesprächsformen, aber auch die Fähigkeit zur offenen Auseinandersetzung.

 

RB: Hat Streit auch eine spirituelle Dimension?

Weiß: Ja. Im Streit begegnet man nicht nur dem anderen, sondern auch sich selbst. Ich lerne meine eigenen Grenzen, Überzeugungen und Verletzungen kennen. Gleichzeitig verlangt Streit von mir, die Lebensgeschichte des anderen ernst zu nehmen. Jeder Mensch hat sich seinen Weg durch Erfahrungen, Krisen und Hoffnungen hindurch gebahnt. Diese Leistung anzuerkennen ist für mich etwas zutiefst Spirituelles.

 

RB: Braucht die Kirche mehr Orte des Streits?

Weiß: Ja, unbedingt. Allerdings nicht als Kampfarena, sondern als Orte, an denen die Vielfalt der Kirche sichtbar wird. Die Kirche lebt von unterschiedlichen Spiritualitäten, Traditionen und Lebensentwürfen. Wir werden durch etwas zusammengehalten, das größer ist als unsere Unterschiede. Gerade deshalb dürfen wir auch über diese Unterschiede streiten. Aber ohne eine gemeinsame Grundlage wird Streit zum Kampf. Für mich ist diese Grundlage die fundamentale Menschlichkeit.

 

RB: Was bleibt, wenn man bleibt?

Weiß: Das ist vielleicht die wichtigste Frage. In meiner Familie habe ich gelernt: Auch nach einem Streit bleibt die Beziehung bestehen. Meine Großeltern hatten die Regel, dass man sich verabschiedet und einander zumindest eine kleine Geste der Zuneigung schenkt, selbst wenn man gerade nicht einer Meinung ist. Heute leben wir oft wie in einer Wegwerfgesellschaft. Menschen enttäuschen uns und wir brechen den Kontakt ab. Dabei sind es gerade die schwierigen Beziehungen, die uns wachsen lassen. Es bleibt Beziehung. Es bleibt Vertrauen. Und die Erfahrung, dass Gemeinschaft nicht durch Einigkeit entsteht, sondern durch die Bereitschaft, auch im Widerspruch zusammenzubleiben.

 


 

Andreas G. Weiß ist katholischer Theologe, Philosoph und Direktor des Katholischen Bildungswerks Salzburg. Er ist zudem als Autor und Vortragender tätig.

In „Streiten verbindet! – Was wir vom Stammtisch lernen können“ plädiert Weiß dafür, unterschiedliche Meinungen auszuhalten und trotz Uneinigkeit im Gespräch zu bleiben. Verlag Anton Pustet, 2026, 176 Seiten, Hardcover, 20 Euro; E-Book, 15 Euro.

 


 

tipp

BuchpräsentationWann?– Di, 10. November 2026, 19.00 UhrWo?– Augustinerbräu Kloster Mülln; Michaelbeuern-Stüberl– Lindhofstraße 7, 5020 SalzburgDer Eintritt ist frei.

Aktuelles E-Paper

Ausgabe 45 | 2026


nach oben springen

WOCHENZEITUNG DER ERZDIÖZESE SALZBURG

Kapitelplatz 6/3

5020 Salzburg

 

Telefon: 0662/8047-2030

FAX: 0662/8047-52030

E-Mail: rupertusblatt@eds.at

Meldungen veröffentlichen! Zur Anmeldung
Jetzt abonnieren! Alle Artikel im Ressort
  • facebook
  • YouTube
  • instagram
  • LinkedIn
  • E-Paper
  • Abo
  • Kontakt
  • Werbung
  • Impressum
  • AGBs
  • Datenschutz
  • Barrierefreiheitserklärung ↗
Katholische Kirche - Erzdiözese Salzburg
nach oben springen