Das gemeinsame Frühstück fehlt, das Gespräch am Abend oder einfach die Gewissheit, dass jemand da ist.“ So beschreibt Birgit Schönegger, das, was Hinterbliebene im Alltag besonders vermissen. Bei ihren Hausbesuchen in Koppl erfährt sie immer wieder, wie sehr der Tod eines geliebten Menschen das Leben verändert.
Ein Trauerfall in der eigenen Familie bewog Birgit Schönegger, eine Ausbildung zur Trauerbegleiterin im Bildungshaus St. Virgil zu absolvieren. Dort hörte sie von einer Pfarre, die Hinterbliebenen einige Zeit nach einem Todesfall einen persönlichen Brief schickt. Schönegger schlug daraufhin ein ähnliches Angebot für ihre Heimatgemeinde Koppl vor. 2024 entstand daraus der Arbeitskreis „Da sein für Trauernde“. Die Ehrenamtlichen besuchen Hinterbliebene bewusst erst einige Monate nach dem Todesfall. Anfangs sind Familie, Freunde und Nachbarn meist noch präsent. Später werden die Besuche weniger. „Gerade dann wird die Leere, die ein geliebter Mensch hinterlassen hat, besonders spürbar“, erzählt Schönegger.
Die Besuche finden unangemeldet statt. Niemand soll sich verpflichtet fühlen, etwas vorzubereiten. Die Ehrenamtlichen bringen eine Kerze, einen persönlichen Brief der Pfarre und Informationen über weitere Angebote zur Trauerbegleitung mit. Meist werden sie ins Haus gebeten. Manchmal beginnt ein längeres Gespräch bereits an der Haustür. Häufig erzählen Trauernde dann von gemeinsamen Erlebnissen, den letzten Tagen der Verstorbenen und manchmal auch von persönlichen Schicksalen. Schönegger ist immer wieder überrascht, wie offen die Menschen von ihrem Leben erzählen. In vielen Gesprächen wird deutlich, wie eng sie sich ihren verstorbenen Angehörigen oder Freunden weiterhin verbunden fühlen. Gut gemeinte Ratschläge wie „Die Zeit heilt alle Wunden“ empfindet Schönegger dagegen als wenig hilfreich. Wichtiger sei es, zuzuhören und die Gefühle der Menschen ernst zu nehmen. „Sie dürfen traurig sein, schweigen, weinen, sich erinnern oder auch einmal lachen. Alles darf sein.“ Die Begegnungen haben auch Schöneggers eigenen Blick auf Verlust und Abschied verändert. Sie habe gelernt, die Stille auszuhalten und nicht auf alles eine Antwort haben zu müssen. Sie erlebt Menschen in einer verletzlichen Lebenssituation, gleichzeitig aber oft auch mit großer innerer Stärke. Manche Gespräche beschäftigen sie noch zu Hause. Bewusster sei ihr geworden, wie kostbar die gemeinsame Zeit mit nahestehenden Menschen ist. „Wir können einem Menschen die Trauer nicht abnehmen, aber wir bieten es ihm an, dass er sie nicht allein tragen muss.“
wissenswert
Der Arbeitskreis „Da sein für Trauernde“ der Pfarre Koppl bietet Menschen nach dem Verlust eines Angehörigen Gespräche und Begleitung an.
daseinfuertrauernde@gmail.com
oder Pfarramt Koppl, Tel. 06221/7238
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