Wenn ein Bauernhof abbrennt und eine Familie vor den Trümmern ihrer Existenz steht, ist das Unglück für alle sichtbar. Der plötzliche Tod eines Angehörigen kann ebenso erschüttern, auch wenn außerhalb der Familie kaum jemand davon erfährt. Auch schwere Unfälle, Überfälle oder eine lebensbedrohliche Erkrankung können Menschen unvorbereitet treffen. In solchen akuten Krisen steht das Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes Betroffenen zur Seite. Salzburgs Generalvikar Harald Mattel gehört ihm ebenso an wie andere Seelsorgerinnen und Seelsorger.
Wie Menschen auf einen Todesfall reagieren, erlebt Mattel ganz unterschiedlich. Selbst innerhalb einer Familie könnten die Bedürfnisse weit auseinanderliegen. Bei jedem Einsatz versuche er deshalb herauszufinden, welche Unterstützung gerade nötig ist. Einen einzelnen Fall wolle und könne er nicht herausgreifen, denn das Leid der Menschen lasse sich nicht vergleichen.
Wenn es irgendwann einmal Begegnungen geben würde in dieser Arbeit, die mich nicht mehr bewegen, dann wäre spätestens der Moment aufzuhören.
Aus Unsicherheit den Kontakt zu Trauernden zu meiden, hält er für falsch. Denn selbst wenn ich mich sprachlos fühle, kann ich zumindest sagen: „Ich weiß jetzt überhaupt nicht, was ich sagen soll.“ Oft helfe auch, gemeinsam die nächsten Schritte zu besprechen und Angehörige oder Freunde einzubeziehen. Dabei solle man den Betroffenen nicht alles abnehmen, sondern sie „nicht alleinelassen in den Schritten, die sie selber gehen“. Als langjähriger Pfarrer hat Mattel Menschen auch über das Begräbnis hinaus begleitet. Zunächst könne die Trauer den Alltag beherrschen, mit der Zeit würden andere Lebensbereiche wieder an Bedeutung gewinnen. Die Trauer bleibe spürbar, werde aber „ein Teil eines neuen Lebens“. Halt geben können Gespräche, die Sakramente der katholischen Kirche und kirchliche Rituale wie Sterbegebete, Trauergottesdienste oder die Gräbersegnung zu Allerheiligen. In vielen Pfarren gibt es rund um Allerheiligen eigene Trauerräume. Manchen hilft auch der Austausch mit Menschen, die einen ähnlichen Verlust erlebt haben, etwa bei Gedenkgottesdiensten. Die Frage nach dem Warum Auch Mattel beschäftigt, warum Menschen Leid erfahren müssen. Diese Frage sei „eine ganz existenzielle“, sagt er. Er verweist auf die Ordensfrau und Ärztin Ruth Pfau, die das Warum auf ihre „eschatologische Liste“ gesetzt habe – als Frage, die sie eines Tages Gott stellen wolle. Im Hier und Jetzt habe sie sich lieber darauf konzentriert, was sie selbst gegen das Leid tun könne. Diesen Gedanken teilt Mattel. Seine Einsätze hätten auch seine Prioritäten verändert: Was im Alltag schwer wiege, erscheine angesichts solcher Schicksale in einem anderen Licht. Die Hoffnung auf ein Wiedersehen und darauf, „dass der Tod nicht das letzte Wort hat“, gibt ihm Halt. Ohne diese Hoffnung, sagt Mattel, „weiß ich nicht, ob ich die Kraft und die Energie hätte für diese Arbeit“.

Harald Mattel, Generalvikar der Erzdiözese Salzburg und Notfallseelsorger im Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes Salzburg.
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