In der Ausstellung im DomQuartier in Salzburg ist der drittälteste „Sonnengesang“ zu sehen, jener aus Stift Sankt Florian. Ein kleines Buch in einer Vitrine mit Tiefgang. „Der Sonnengesang gehört zu den berühmtesten Dichtungen der italienischen Literatur“, erklärt der Kurator des Dommuseums Reinhard Gratz. Franziskus verfasste den Gesang relativ kurze Zeit vor seinem Tod, als er bereits krank war und in San Damiano gepflegt wurde. „Trotz seiner körperlichen Beschwerden lobte er die Schöpfung. ,Laudato si‘ – gelobt seist du – so beginnt der Sonnengesang. Franziskus spricht darin von den Elementen und Geschöpfen der Schöpfung als Bruder und Schwester. Er fühlt sich geschwisterlich mit der Schöpfung verbunden“, betont Gartz. Diese Sicht auf die Dinge „war im Mittelalter etwas Neues. Darin kommt auch sein Respekt vor der Schöpfung zum Ausdruck. Franz von Assisi betrachtet die Schöpfung als beseelt vom Geist Gottes und als erlösungsbedürftig“, sagt Gratz.
Vor allem die Vögel spielen im Leben des hl. Franz von Assisi eine große Rolle. Eine Lithographie von Franz von Zülow aus dem Jahr 1922 zeig den Heiligen inmitten von Vögeln, „er soll ihnen gepredigt haben und ihnen gesagt haben, wie gut Gott sie ausgestattet habe: Er habe ihnen Freiheit und ein schönes Gefieder gegeben. Die Vögel sollen auf seine Predigt reagiert haben. Während der Predigt verstummten sie, reckten anschließend ihre Hälse und taten ihre Schnäbel auf. Sie reagierten lebhaft auf das, was Franz von Assisi ihnen sagte“, sagt Gratz.
Franz von Assisi lebte die Bedürfnislosigkeit. Diese könne dazu führen, für andere Dinge offen zu sein: für die Sorge um die Umwelt und für die Sorgen anderer Menschen. „Auch die Achtsamkeit für die ganze Schöpfung hängt damit zusammen, dass Franz von Assisi ein neues Bild vom Leben entwickelte. Sein Sonnengesang, seine Haltung zur Armut und seine Verbundenheit mit den Geschöpfen führen dabei zu einem gemeinsamen Gedanken: Die Schöpfung ist nicht nur Besitz, sondern etwas, dem mit Respekt und Aufmerksamkeit begegnet wird“, sagt Gratz. Die Ausstellung LebensKunst ist noch bis 22. November zu besuchen.
wissenswert
Am Sonntag, 18. Oktober, wird um 17:00 Uhr Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ im Dom zu Salzburg aufgeführt. Die Ausführenden sind Tetiana Miyus (Sopran), Mario Lerchenberger (Tenor) und Aaron Selig (Bass). Mitwirkende sind außerdem der Domchor, die Jugendkantorei unter der Einstudierung von Gerrit Stadlbauer und das Domorchester. Die Leitung übernimmt Domkapellmeisterin Andrea Fournier. Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ entstand 1798. Die Aufführung findet anlässlich des 800. Todestages von Franz von Assisi statt. Tetiana Miyus ist unter anderem an der Oper Graz und am Staatstheater Nürnberg tätig.
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