Ob mit dem Fahrrad, dem Bus oder dem Auto, der Weg in die Stadt Salzburg führt oft durch das Neutor. Jetzt ist damit vorübergehend Schluss. Denn das Neutor wird gesperrt, etwa sechs Monate lang . Grund genug den Blick nach oben zu richten und das Neutor genauer zu betrachten: „Man sieht etwas ganz Bemerkenswertes, und zwar sieht man das Portal, also das stadtaußenseitige Portal des Neutors, im sogenannten Ruinenstil“, beschreibt Thomas Mitterecker, Leiter des Archivs der Erzdiözese Salzburg. Die Gebrüder Hagenauer errichteten das Portal in den 1760er- Jahren im Auftrag von Erzbischof Sigismund von Schrattenbach. Sie griffen dabei Motive der Antike auf.
„Der sogenannte Ruinenstil war keineswegs zufällig gewählt. Die Absicht war, an das alte Juvavum, an den Prunk, an den Glanz, an die Bedeutung dieser römischen Stadt zu erinnern“, sagt Mitterecker. Besonders auffällig sind die beiden Obelisken, die absichtlich abgebrochen dargestellt wurden. Auch dadurch erhält das Portal einen beinahe antiken Charakter. Den Tunnel trieb der Artilleriehauptmann Elias von Geyer voran. Er erhielt von Erzbischof Schrattenbach den Auftrag, den Mönchsberg zu durchbrechen und eine Verbindung nach Riedenburg und Maxglan zu schaffen. „Geyer hat zwar den Durchstoß gemacht, aber sein Entwurf für das Portal des Neutors hat dem Erzbischof nicht gefallen.“ Die Hagenauer- Brüder entwickelten daraufhin einen neuen Entwurf. Schrattenbach erteilte ihnen den Auftrag. Mit dem Neutor öffnete Salzburg die Stadt nach Westen. Damals lagen außerhalb der Stadt bereits militärische Anlagen und einzelne Gebäude. Der neue Durchgang erschloss das Gebiet rund um Riedenburg, Maxglan und Leopoldskron. Nicht zu vergessen „der Zweite Weltkrieg hinterließ Spuren: Damals wurden Eingänge für Schutzstollen in den Tunnel getrieben. Die zugemauerten Reste sind bis heute sichtbar. Dazu kommen verschiedene Tafeln, die an die Geschichte des Bauwerks erinnern“, sagt Mitterecker.
Für Thomas Mitterecker spielen die Verbindung von Technik und Gestaltung eine Rolle. „Mir gefällt die Komposition, die zwar menschengemacht ist, aber sich doch wunderbar harmonisch in das Gesamtbild hineinfügt.“ Moderne Tunneleinfahrten wirkten im Vergleich dazu oft rein technisch und zweckorientiert. Auch der Bau selbst beeindruckt ihn „Wenn man sich das Gewölbe im Tor drinnen anschaut, was das für eine Arbeit ist, das ist etwas, wo ich höchste Bewunderung erhebe für die damaligen Bauarbeiter.“ Ohne moderne Maschinen errichteten Arbeiter den Durchgang im Konglomeratgestein des Mönchsbergs. Wenn das Neutor im Frühling wieder befahrbar wird, dann kann der Blick nach oben wandern. Denn hinter dem scheinbar alltäglichen Verkehrsbauwerk verbirgt sich ein Portal, das an eine längst vergangene Epoche erinnert.
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