Wer im Salzburger Dom auf die Suche nach Tieren geht, tritt sich schnell eine Geschichte dazu ein. „Alles begann mit einem Naturkundigem, dem Physiologus“, erzählt Josef Schöchl. Die frühchristliche Sammlung von Tiergeschichten und ihren symbolischen Deutungen habe der christlichen Kunst eine ganze Welt an Tiermotiven und ihrer manchmal fragwürdigen Deutung beschert. Schon am Liebestor, dem Mittleren der drei Domportale, begegnen den Besuchern Henne, Rabe, Taube und Pelikan. „Alle vier Tiere sind Sinnbilder für die Liebe Gottes zu den Menschen“, erklärt Theologe Dominik Elmer.
Die Henne steht für mütterliche Liebe und die Kirche als Versammlungsort. Der Rabe erinnert an den Propheten Elija, der laut Bibel von Raben mit Nahrung versorgt wurde. Die Taube symbolisiert den Heiligen Geist. Der Pelikan steht für Christus und seinen Opfertod. Nach einer mittelalterlichen Vorstellung nährt der Vogel seine Jungen mit seinem eigenen Blut. Biologisch stimmt diese Vorstellung allerdings nicht. Schöchl, promovierter Veterinärmediziner, bringt die naturwissenschaftliche Sicht ein und zeigt, wie weit symbolische Tierdeutung und zoologische Realität auseinanderliegen können.
Auch der Rabe hat mehr zu geben, als ihm zugestanden wird. „Der Rabe hat ja eigentlich einen schlechten Leumund“, sagt Schöchl. In Bibel und Heiligenlegenden erscheint er jedoch auch als Helfer in der Not – etwa bei Elija oder beim heiligen Benedikt.
Schon an der Fassade des Domes finden sich Löwe und Steinbock. Sie sind die Wappentiere der Erzbischöfe Markus Sittikus und Paris Lodron, unter denen der barocke Dom entstand. Löwen begegnen auch im Inneren. Die romanischen Bronzelöwen, auf denen das Taufbecken ruht, stammen aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts.
„Ihre Münder sind die Salzburger Bocca della Verità ob der Kirchenbeitrag bezahlt wurde“, scherzt Elmer. Der Vergleich spielt auf den berühmten „Mund der Wahrheit“ in Rom an. In der Martinskapelle findet sich der Löwe als Begleiter des heiligen Hieronymus. Der einst wilde Löwe wird in der Heiligenlegende zum gezähmten Gefährten.
Nicht alle Tiere lassen sich so leicht einordnen. Fledermäuse an den Epitaphien der Erzbischöfe verweisen auf Vergänglichkeit und Tod. „Biologisch gesehen ist die Fledermaus aber ein Tier des Lebens. Es wird besonders alt“, gibt Schöchl zu bedenken. Auch Einhörner tauchen im Dom auf und sorgten schon bei ihren Zeitgenossen für Verwirrung: Man fand immer nur das Horn – doch nie das Pferd dazu, schmunzelt Schöchl. Das Einhorn war das persönliche Wappentier von Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun. Er ließ seine Wappentiere – den Adler und das Einhorn – als hölzerne Schnitzereien an den Kirchenbänken und Beichtstühlen des Doms verewigen.
Wer aber das Horn sehen will, muss nach St. Peter gehen. In der Martinskapelle sind auf dem Altarblatt unter anderem Löwe und Gans zu entdecken. In der Karl-Borromäus-Kapelle finden sich Fische, in der Rochuskapelle ein Hund. Am Ende aber findet sich dann doch der natürlichste Hinweis: Das Schneckenfossil im Adneter Marmor. Grund genug den Dom genauer unter die Lupe zu nehmen, nicht nur während eines Gottesdienstes.
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