Wer sich heute auf eine „Mission“ begibt, weiß: Ich bin geschickt, ausgesandt, etwas Bestimmtes zu tun oder zu vollbringen. Wie so oft ist der Begriff lateinischen Ursprungs. Er wurde in der Bedeutung „Sendung, Botschaft, Aufgabe, Auftrag“ im 16. Jahrhundert aus lat. missio „Absenden, Entlassung“ entlehnt. Besonders im 17. Jahrhundert trat eine speziell kirchliche Bedeutung im Sinne von „Verkündigung, Bekehrung“ hinzu.
Das lateinische missio selbst ist ein Substantiv, das aus dem Zeitwort mittere gebildet ist. Dieses Verb bedeutet „senden, loslassen, schicken“. Es erscheint bereits in den ältesten lateinischen Texten und dürfte auf eine indogermanische Wurzel *meyth- „wechseln, entfernen“ zurückgehen. Außerhalb des Lateinischen tauchen nur spärliche Verwandte auf: das alte Sanskrit Indiens kennt méthati „sich entgegenstellen, streiten“; im Gotischen findet sich inmaidjan „verändern“. Unklar ist eine andere Verbindung: Möglicherweise besteht auch eine Beziehung zu indogermanisch *smeyd- „werfen, schlagen“, dann wäre darüber hinaus auch unser Wort schmeißen damit in Beziehung zu bringen - immerhin auch eine Form des Schickens und Aussendens, wenn auch uneleganter.
Wir sehen also: Die Mission ist eine Sendung, und konkret im kirchlichen Sinne ein Geschickt-werden, um des Evangeliums willen. Dazu gesellt sich ein deutsches Wort, das vielen vielleicht gar nicht als Entlehnung aus dem Lateinischen geläufig ist, nämlich Messe. Die international in viele Sprachen eingegangene Bezeichnung für den eucharistischen Gottesdienst stammt aus einer weiteren Ableitung von mittere, nämlich missa – wörtlich „die Gesendete“. Wer schon eine Feier in lateinischer Sprache besucht hat oder lateinische Messkompositionen kennt, weiß: am Ende der Liturgie steht der Ruf „Ite, missa est!“ – „Geht, sie ist gesendet!“ Gemeint ist die Botschaft des Evangeliums und des Mysteriums der Eucharistie. Das Ende der Messe ist somit
der Beginn der Verkündigung - jetzt gilt es, sie in die Welt zu tragen. Mission und Messe hängen auch in der Wortherkunft zusammen. Sie lassen erkennen: Mit der Mission im speziell christlichen Kontext ist heute nicht mehr allein die Verbreitung des Glaubens gegenüber Nichtchristen gemeint, sondern ganz allgemein jedes Hinaustragen des Erlebten und Gehörten. Wir alle werden somit am Ende der Liturgie jedes Mal neu zu „Gesendeten“. Mission und Messe hängen damit nicht nur in der Praxis, sondern auch in der Wortherkunft zusammen. Sie lassen erkennen: Mit der Mission im speziell christlichen Kontext ist heute nicht mehr allein die Verbreitung des Glaubens gegenüber Nichtchristen gemeint, sondern ganz allgemein jedes Hinaustragen des Erlebten und Gehörten. Wir alle werden somit am Ende der Liturgie jedes Mal neu zu „Gesendeten“.
In der Rubrik „Beim Wort genommen“
werden Begriffe und Redewendungen anhand ihres biblischen Ursprungs und ihrer Geschichte genauer betrachtet – also „beim Wort genommen“. Michael Vereno ist promovierter Sprachwissenschafter. Er ist als Medienreferent im Sekretariat des Erzbischofs tätig.
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