Wie so oft bei kirchlichen Begriffen des Westens stammt der Name „Transitus“ aus dem Lateinischen. Viele dürften das Weihnachtslied „Transeamus usque Bethlehem“ kennen oder haben es schon selbst im Chor gesungen. Hindurchgehen Der erste Teil des Wortes, trans, ist im Lateinischen eine Orts- bzw. Richtungsangabe und bedeutet „hinüber, hindurch; jenseits“; es ist tatsächlich, wenn auch schwer erkennbar, mit dem dt. durch verwandt, engl. through, oder auch mit altindisch tiráh „durch, über,abseits“. Seine indogermanische Wurzel ist *ter-, was ebenso bereits „hindurch“ etc. bedeutet haben dürfte. Daran angeschlossen ist das Partizip des Verbs ire „gehen“. Auch dieser Begriff hat außerhalb des Lateinischen viele Verwandte, etwa altgriechisch eimi „ich gehe“, altindisch eti „geht“ oder litausch eiti „gehen“. Alle lassen sich auf indogermanisch *hey- „gehen“ zurückführen. Eine Anmerkung: Wenn ein Stern vor einer Wurzel oder einem Wort steht, bedeutet dies, dass der Begriff anhand der verfügbaren Quellen rekonstruiert wurde – die indogermanische Sprache wurde leider nicht schriftlich überliefert. Der Begriff transitus bedeutet also ganz wörtlich „Durchgang, Hinübergang“. Außerhalb des Religiösen findet er auch in der Musik Verwendung. Harmonische Auflösung Wenn man im Bereich der Komposition und der Harmonielehre von einem Transitus spricht, ist damit eine Situation gemeint, in der es zu so genannten „Durchgangsdissonanzen“ kommt: Akustische Reibungen lösen sich schließlich in konsonante, also „zusammenklingende“ Töne und Harmonien auf. Alles klingt neu zusammen, Symphonie entsteht. So wird deutlich, warum sich unter den Franziskanerinnen und Franziskanern dieser Begriff für das Lebensende des Poverello etabliert hat. Franziskus hat den Tod nicht gefürchtet, er hat ihn immer als „Schwester“ gegrüßt (im Italienischen ist morte weiblich). Sein Sterben war somit kein Ende, sondern nur eine kurze Dissonanz zwischen zwei menschlich-göttlichen Wohlklängen: seinem irdischen Leben als Vorbild der Heiligkeit, und seiner ewigen Schau des Höchsten, dessen Lob und Liebe er verkündete. So mögen wir seiner in diesem 800. Jahr seines „Hinübergangs“ gedenken.
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