RB: Warum spricht die Gemeinschaft Saint-Martin so viele junge Menschen an?
Don Xandro: Erstens das Lebensmodell: Wir sind einerseits „Vollblutseelsorger“ und versuchen nahe bei den Menschen zu sein. Aber wir pflegen auch unser eigenes Gebets- und „Familienleben“ als Gemeinschaft. Viele können sich nicht vorstellen, allein in einem Pfarrhof zu wohnen. Außerdem werden wir immer wieder woanders hin gesandt. Das entspricht der Idee einer lebenslangen Wanderschaft auf Erden. Zweitens die Priesterausbildung: Wir achten darauf, dass Theologie, Spiritualität, Persönlichkeitsbildung und pastorale Schulungen ein harmonisches Ganzes ergeben. Drittens, ein gewisser Geist, ein bestimmter Stil, der zugleich modern und konservativ, fröhlich und ernst, traditionsbewusst und innovativ ist.
RB: Was bedeutet gemeinschaftliches Priesterleben konkret für die Pfarrseelsorge?
Don Xandro: Jeder von uns hat seine klare Rolle und Aufgabe als Pfarrer oder Kooperator. Gleichzeitig sind wir aber auch ein Team und werden als solches wahrgenommen. Jeder hat seine eigene Persönlichkeit mit Stärken und Schwächen, und trotzdem ziehen wir alle an einem Strang und können uns gegenseitig problemlos vertreten.
RB: Wie lautet ihr persönliches Fazit nach einem Jahr in Thalgau?
Don Xandro: Es war ein intensives und schönes, manchmal überraschendes Jahr. Ich hätte mir nicht gedacht, dass so viel los ist im Pfarrverband. Gleichzeitig war dieses erste Jahr für mich ein erstes gegenseitiges Kennen- und Liebenlernen. Ich glaube es sind viele schöne Beziehungen entstanden, die jetzt vertieft werden müssen.
Die Gemeinschaft wurde 1976 im italienischen Genua gegründet. Später verlagerte sich ihr Zentrum nach Frankreich. Heute zählt sie zu den Priestergemeinschaften mit den meisten Berufungen in Frankreich. Mehr als 200 Priester und Diakone sind in 52 Niederlassungen und pastoralen Einsatzorten in fünf Ländern tätig. 117 Seminaristen und Kandidaten befinden sich in Ausbildung. Kennzeichnend für die Gemeinschaft ist das gemeinsame Leben und Arbeiten ihrer Priester und Diakone. Sie übernehmen ihre Aufgaben stets als Gemeinschaft und stellen sich dort in den Dienst der Kirche, wo Bischöfe ihre Unterstützung erbitten.
Mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche Thalgau wurde am Samstag das 50-jährige Bestehen der Gemeinschaft gefeiert. Weihbischof Hansjörg Hofer dankte den Priestern für die großartige Zusammenarbeit. Zugleich erinnerte er an die Bedeutung der Priesterausbildung: „Priester fallen nicht vom Himmel, wir müssen sie begleiten und unterstützen.“
Zum Jubiläum war auch Don Enguerrand, Mitglied des Leitungsrats der Gemeinschaft Saint-Martin, aus Frankreich angereist. Er bedankte sich für die herzliche Aufnahme in Salzburg und betonte den missionarischen Auftrag der Gemeinschaft: „Wir gehen überall dorthin, wohin uns die Bischöfe rufen, ganz im Sinne des heiligen Martin.“ Im Pfarrverband Thalgau mit den Pfarren Thalgau, Hof, Koppl und Plainfeld sind Don Xandro Pachta, Don Armand und Don Andreas tätig.
Aktuelles E-Paper